Allgemeines
über Paraguay
Die
Republik Paraguay ist ein Binnenstaat in Südamerika,
der im Osten an Brasilien, im Süden und Westen an Argentinien
und im Norden und Westen an Bolivien grenzt. Der Name des
Staates bedeutet "Wasser, das zum Wasser geht",
abgeleitet von der Sprache der Ureinwohner, Guaraní:
pará ("Ozean"), gua ("zu/von")
und y ("Wasser"). Der Ausdruck bezieht sich auf
Guaraní meist nur auf die Hauptstadt Asunción,
aber auf Spanisch auf das gesamte Staatsgebiet.
Geografie
Paraguay ist neben Bolivien der einzige Staat Südamerikas,
der keinen direkten Zugang zum Meer hat. Im Nordwesten und
Norden grenzt es an Bolivien, im Osten an Brasilien und
im Süden und im Westen an Argentinien. Mit einem Staatsgebiet
von knapp 407.000 km² ist das Land ungefähr so
groß wie Deutschland und die Schweiz zusammengenommen.
Landschaftsbild
Der Río Paraguay durchfließt das Land von Norden
nach Süden und gliedert es in zwei naturräumliche
Teile, den dünn besiedelten Gran Chaco im Westen, der
etwa 60 % der Landesfläche einnimmt und den Oriente,
die Ostregion. Der Gran Chaco ist eine schwach nach Osten
geneigte, von 100 m im Sumpfland am Río Paraguay
allmählich auf 450 m am Fuß der Anden ansteigende
quartärzeitliche Aufschüttungsebene mit einheitlichem
Landschaftscharakter. Östlich des Río Paraguay
erstreckt sich ein in der Cordillera de Caaguazu bis zu
700 m hohes subtropisches Tafel- und Bergland, das zu dem
von paläozoischen und mesozoischen Sedimenten und mächtigen
Basaltdecken, den so genannten Paraná-Basalten, bedeckten,
präkambrischen Brasilianischen Schild gehört.
Es bricht in einer Stufe zur fruchtbaren Paraná-Paraguay-Senke
ab, in deren südlichen Teil sich weite Sumpf- und Überschwemmungsgebiete
erstrecken.
Bevölkerung
Knapp 90 % der Bevölkerung sind Paraguayer, in der
Mehrzahl Mestizen, die aus der im wesentlichen vom 16. bis
zum 18. Jahrhundert erfolgten Verbindung von Guaraní-Indianerinnen
mit spanischen Einwanderern hervorgegangen sind. Sporadisch,
insbesondere Anfang des 20. Jahrhunderts, kam es zu Einwanderungsschüben
aus Europa, sowie aus den Nachbarländern Brasilien
und Argentinien. Es gibt regional bedeutende Minderheiten
von Europäern und eingeborenen Völkern, unter
denen die Guaraní die bedeutendste Gruppe sind. Ihre
Sprache (Guaraní), die auch von 80 % der nicht indigenen
Bevölkerung gesprochen wird, hat laut der Verfassung
von 1992 neben Spanisch offiziellen Status. Als dritte Sprache
wird gelegentlich Deutsch vernommen: von deutschen Auswanderern
oder von Mennoniten, die jedoch meist einen niederdeutschen
Dialekt (Plautdietsch) sprechen. - Dennoch spielt das Hochdeutsche
in den mennonitischen Kolonien eine signifikante Rolle:
insbesondere als Kirchen-, Schul- und Verwaltungssprache
sowie als Sprache der Medien. Vor allem im Nordwesten und
im Chaco wohnt diese zahlenmäßig unbedeutende,
aber mit großer Wirtschaftskraft und bestimmten Privilegien
ausgestattete Minderheit der deutschsprachigen Mennoniten,
die seit 1927 meist aus Russland eingewandert sind. Durch
weitere Zuwanderung aus den Vereinigten Staaten, Kanada
und Mexiko beläuft sich deren Anzahl inzwischen auf
45.000-50.000 Personen. In der brasilianischen Grenzregion
leben inzwischen ca. 500.000 portugiesischsprachige Siedler,
davon sind 150.000 deutschstämmige Brasilianer aus
den Bundesstaaten Rio Grande do Sul, Santa Catarina, Paraná.
Sie werden auch Brasiguayos genannt.
5 bis 7 % der paraguayischen Bevölkerung sind Einwanderer
deutscher Herkunft. In der Regierungszeit des deutschstämmigen
Diktators Alfredo Stroessner, der von 1954-1989 das Amt
des Staatspräsidenten inne hatte, sind zehntausende
aus Brasilien stammende Deutschbrasilianer eingewandert.
Allein in den Jahren 1973/74 sind 42.000 Deutschbrasilianer
nach Paraguay eingewandert, vor allem in die Departamente
Alto Paraná, Caazapáy, Itapua, Canendiyú,
Caaguazú, San Pedro. Allein in diesen Departamenten
leben heute weit über 100.000 Deutschbrasilianer in
9 Groß- und 45 Randsiedlungen. Ein weiteres Zentrum
der Einwanderung liegt um Hohenau herum mit mindestens 30-35.000
Deutschbrasilianern. Seit dem Sturz Stroessners im Februar/März
1989 sind weitere 150.000 Deutschstämmige aus Südbrasilien
eingewandert. An der argentinischen Grenze wohnen auch viele
Polnisch- und Ukrainischstämmige.
Der überwiegende Teil der Bevölkerung wohnt östlich
des Río Paraguay und hier besonders in der Gegend
um Asunción sowie nahe der Grenze zu Brasilien. Im
Norden und Westen des Landes, der von der Ebene des Gran
Chaco eingenommen wird, leben nur etwa 5 % der Bevölkerung.
Seit einigen Jahren wandern immer mehr Deutsche, Österreicher
und Schweizer nach Paraguay aus. Dies liegt nicht zuletzt
an den guten Lebensbedingungen sowie den günstigen
Lebenshaltungskosten in Paraguay. Besonders für Rentner
ist Paraguay ein geeignetes Land.
Wichtige
Städte
Paraguays größte und wichtigste Stadt ist die
Hauptstadt Asunción mit etwa einer Million Einwohner
im Ballungsraum, das Zentrum von Verwaltung, Industrie und
Handel. Zweitgrößte Stadt ist Ciudad del Este
(239.500 Einwohner) nahe der Grenze zu Brasilien und Argentinien,
eine schnell wachsende Stadt, die als Einkaufs- und Handelszentrum,
aber auch als Metropole des Schmuggels bekannt ist. Weitere
wichtige Städte sind Pedro Juan Caballero (etwa 65.000
Einwohner) im Nordosten und Encarnación am Río
Paraná. Eine der schönsten Städte ist Concepción
mit ca. 50.000 Einwohnern 200 km nördlich von Asunción
am Rio Paraguay gelegen, in der sich bis heute der Charme
des frühen 19. Jahrhunderts erhalten hat. In der Cordillera,
dem 3. Bundesland Paraguays sind zwei erwähnenswerte,
kleinere Städte. Da ist zum einen Caacupé, ca.
50 km östlich von Asunción, wo jährlich
am 8.12. das Fest der Jungfrau von Caacupé mit mehr
als 2 Millionen Menschen gefeiert wird. Zum anderen ist
die Nachbarstadt Eusebio Ayala durch seine Geschichte bedeutsam.
Diese historische Schul- und Universitätsstadt ist
mit ihren 22.000 Einwohnern einer der geschichtlich wichtigsten
Orte Paraguays. Hier fand eine vernichtende Schlacht im
Tripel-Allianz-Krieg (1865-1870) statt, bei der 20.000 Soldaten
mehr als 3.500 paraguayische Kinder, die als Soldaten mit
Bärten verkleidet waren, ermordeten. Der am 16. August
jährlich stattfindende Aufmarsch von Schulkindern aus
dem ganzem Land und die Gedenkstätte am Cerro Gloria
erinnern noch heute daran, jegliche Akte von Unmenschlichkeit
zu unterlassen.
Religion
Wie die meisten Länder Südamerikas, ist Paraguay
ein katholisches Land, etwa 90 % der Bevölkerung bekennt
sich zu diesem Glauben. Weiter religiöse Minderheiten
bilden die Mennoniten (meist deutscher Abstammung), oder
Protestanten, die etwa 5.0 % ausmachen. Dazu zählen
hauptsächlich Lutheraner, Baptisten und Adventisten.
Allgemeines
Paraguay war bis in die 1960er Jahre ein reines Agrarland
aber auch ein Land, dass sich viel mit Wasserwirtschaft
beschäftigt. Heute noch spielt die Landwirtschaft eine
wichtige Rolle: 39 % der Bevölkerung arbeitet im Agrarsektor,
der 24,9 % zum BIP beiträgt. Großgrundbesitz
prägt die Besitzstruktur, etwa 80 % der landwirtschaftlich
nutzbaren Flächen gehören 2 % der Bevölkerung
- ein Merkmal, das für die meisten lateinamerikanischen
Staaten typisch ist.
Seit den 1970er Jahren entwickelte sich ein industrielle
Sektor, der im Jahre 2006 rund 13,9% zum BIP beitrug.
Der Dienstleistungssektor steuerte im selben Jahr (2006)
mit 51,4% den Löwenanteil zum BIP von 9,3 Milliarden
US-Dollar bei.